„Ich komme schon allein zurecht.“ – Warum ein Hausnotruf trotzdem Freiheit schenkt
von Aaliyah Navyk
Ein kurzer Schwindelmoment im Badezimmer. Ein Stolpern über die Teppichkante. Oder plötzlich das Gefühl, dass etwas nicht stimmt.
Das Telefon liegt im anderen Zimmer. Aufstehen geht gerade nicht. Und niemand ist da, der den Hilferuf hören könnte. Es sind Situationen, über die man nicht gerne nachdenkt. Schließlich möchte niemand ständig damit rechnen, dass etwas passiert. Gleichzeitig kann genau diese Frage wichtig sein:
Was wäre, wenn ich plötzlich Hilfe brauche?
Ein Hausnotruf gibt darauf eine beruhigende Antwort. Nicht, weil man seine Selbstständigkeit verliert – sondern damit man sie möglichst lange behalten kann.
Sicherheit bedeutet nicht, unselbstständig zu sein
Viele Menschen verbinden einen Hausnotruf zunächst mit hohem Alter, schwerer Pflegebedürftigkeit oder dem Gefühl, nicht mehr allein zurechtzukommen.
Doch das stimmt so nicht.
Viele Nutzer*innen leben selbstständig, erledigen ihren Alltag allein und benötigen keine regelmäßige Pflege. Sie entscheiden sich bewusst für einen Hausnotruf, weil sie wissen möchten, dass im entscheidenden Moment jemand erreichbar ist.
Der kleine Notrufknopf ist deshalb kein Zeichen von Schwäche.
Er ist eine Absicherung.
Ähnlich wie ein Sicherheitsgurt im Auto hofft man, ihn nie wirklich zu benötigen. Trotzdem fühlt es sich besser an, zu wissen, dass er da ist.
Wie funktioniert ein Hausnotruf eigentlich?
Das Hausnotrufsystem besteht aus einer Basisstation und einem kleinen Funksender. Dieser wird meist als Armband oder Halskette getragen und bleibt dadurch immer in Reichweite.
Wird Hilfe benötigt, genügt ein Knopfdruck.
Über die Basisstation wird direkt eine Verbindung zur Hausnotrufzentrale hergestellt. Die Mitarbeiter*innen können mit der Person sprechen, die Situation einschätzen und die zuvor vereinbarten Schritte einleiten.
Je nach Situation können beispielsweise Angehörige, Nachbar*innen, der Bereitschaftsdienst, eine Ärztin oder ein Arzt oder der Rettungsdienst verständigt werden.
Dabei gilt: Ein ausgelöster Hausnotruf bedeutet nicht automatisch, dass sofort ein Rettungswagen vor der Tür steht.
Manchmal reicht bereits ein beruhigendes Gespräch. Vielleicht ist jemand unsicher, benötigt eine kurze Orientierung oder möchte wissen, wie er sich in einer bestimmten Situation verhalten soll.
In anderen Fällen muss schnell persönliche oder medizinische Hilfe organisiert werden.
Entscheidend ist, dass die Person nicht allein mit der Situation bleibt.
Und was passiert, wenn man nicht mehr sprechen kann?
Diese Sorge beschäftigt viele Menschen.
Vielleicht wurde der Notruf nach einem Sturz ausgelöst. Vielleicht ist die Person bewusstlos geworden oder kann sich aus gesundheitlichen Gründen nicht verständlich machen.
Auch dann wird der Hilferuf ernst genommen.
Bleibt eine Antwort aus, organisiert die Hausnotrufzentrale umgehend die vereinbarte Hilfe. Wichtige Informationen wie bestehende Erkrankungen, körperliche Einschränkungen, Kontaktpersonen und persönliche Absprachen können bereits vorab hinterlegt werden.
So weiß das Team im Notfall, was zu tun ist – auch wenn die betroffene Person selbst gerade keine Auskunft geben kann.
Auf Wunsch kann außerdem ein Wohnungsschlüssel sicher hinterlegt werden. Dadurch muss im Ernstfall nicht erst aufwendig geklärt werden, wie Helfer*innen in die Wohnung gelangen.
Für wen ist ein Hausnotruf sinnvoll?
Ein Hausnotruf kann eine gute Unterstützung sein, wenn jemand allein lebt oder über längere Teile des Tages allein zu Hause ist.
Auch nach einem Krankenhausaufenthalt kann er zusätzliche Sicherheit geben. Gerade in den ersten Wochen fühlen sich viele Menschen noch unsicher, sind körperlich geschwächt oder haben Angst davor, erneut zu stürzen.
Sinnvoll kann ein Hausnotruf außerdem sein:
- bei wiederkehrendem Schwindel oder erhöhter Sturzgefahr,
- bei chronischen Erkrankungen,
- bei körperlichen Einschränkungen oder einer Behinderung,
- wenn Angehörige weiter entfernt wohnen,
- wenn das Telefon im Notfall möglicherweise nicht erreichbar wäre,
- oder einfach, weil mehr Sicherheit im Alltag gewünscht ist.
Dafür muss nicht erst etwas passiert sein.
Ein Hausnotruf kann bewusst vorsorglich eingerichtet werden. Denn häufig ist es angenehmer, eine Lösung in Ruhe auszuwählen, als nach einem Notfall unter Zeitdruck handeln zu müssen.
Ein Hausnotruf entlastet auch Angehörige
Nicht nur die Nutzer*innen selbst profitieren von der zusätzlichen Sicherheit.
Auch für Kinder, Partner*innen und andere Angehörige kann ein Hausnotruf eine große Entlastung sein.
Viele kennen Gedanken wie:
Hat Mama ihr Telefon dabei?
Was ist, wenn Papa nachts stürzt?
Würde überhaupt jemand merken, wenn etwas passiert?
Solche Sorgen lassen sich nicht vollständig abstellen. Ein Hausnotruf kann jedoch dabei helfen, Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen.
Angehörige müssen nicht rund um die Uhr erreichbar sein oder ständig kontrollieren, ob alles in Ordnung ist. Sie wissen, dass im Notfall eine Verbindung zu einer besetzten Hausnotrufzentrale besteht und passende Hilfe organisiert werden kann.
Das schafft nicht nur Sicherheit, sondern oft auch wieder mehr Leichtigkeit in der Beziehung.
Denn gemeinsame Gespräche müssen dann nicht ständig mit der Frage beginnen: „Ist auch wirklich alles in Ordnung?“
Was passiert, wenn der Knopf versehentlich gedrückt wird?
Eine der häufigsten Sorgen lautet: Was ist, wenn ich aus Versehen einen Notruf auslöse?
Die Antwort ist einfach: Dann wird kurz geklärt, ob alles in Ordnung ist.
Niemand muss Angst davor haben, den Knopf versehentlich zu berühren oder einen Fehlalarm auszulösen. Im Gegenteil: Ein solcher Moment zeigt, dass die Verbindung funktioniert.
Der Notrufknopf sollte deshalb nicht irgendwo in einer Schublade liegen. Er kann nur dann helfen, wenn er wirklich getragen wird – auch im Badezimmer oder nachts auf dem Weg zur Toilette.
Genau dort passieren schließlich viele der Situationen, in denen schnelle Unterstützung wichtig sein kann.
Übernimmt die Pflegekasse die Kosten?
Grundsätzlich kann jede Person einen Hausnotruf nutzen – auch ohne Pflegegrad.
Liegt mindestens Pflegegrad 1 vor, kann die Pflegekasse die Kosten der Grundversorgung unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn die pflegebedürftige Person über weite Teile des Tages allein ist und im Notfall voraussichtlich nicht selbstständig über ein gewöhnliches Telefon Hilfe rufen könnte.
Auch wer mit einer anderen Person zusammenlebt, kann einen Anspruch haben, wenn diese im Ernstfall nicht in der Lage wäre, Hilfe zu organisieren.
Da immer die persönliche Situation geprüft wird, lohnt sich eine individuelle Beratung. Bei Menschenlieb unterstützen wir auf Wunsch auch beim Antrag an die zuständige Pflegekasse.
Welcher Hausnotruf passt zu mir?
Nicht jede Person benötigt dieselben Leistungen.
Für manche reicht eine Grundversorgung mit Notrufknopf und Verbindung zur Hausnotrufzentrale. Andere wünschen sich zusätzlich einen persönlichen Bereitschaftsdienst, eine Schlüsselhinterlegung, einen Sturzsender oder eine Lösung, die auch außerhalb der Wohnung genutzt werden kann.
Vor der Entscheidung können deshalb einige Fragen helfen:
- Benötige ich den Notruf nur zu Hause oder auch unterwegs?
- Wer soll im Notfall zuerst informiert werden?
- Wohnen Angehörige oder Vertrauenspersonen in der Nähe?
- Soll ein Wohnungsschlüssel sicher hinterlegt werden?
- Gibt es Erkrankungen oder Einschränkungen, die berücksichtigt werden müssen?
- Ist ein klassischer Notrufknopf ausreichend oder wäre zusätzlich eine Sturzerkennung sinnvoll?
Eine gute Beratung betrachtet nicht nur das Gerät, sondern den gesamten Alltag der Person.
Denn Sicherheit muss zum Leben passen – und nicht umgekehrt.
Ein kleiner Knopf, der den Alltag verändern kann
Ein Hausnotruf verhindert nicht jeden Sturz und nicht jede gesundheitliche Notsituation.
Aber er kann dafür sorgen, dass Hilfe schneller erreicht wird. Er kann Ängste reduzieren, Angehörige entlasten und das selbstständige Leben in der eigenen Wohnung länger ermöglichen.
Oft verändert sich der Alltag allein durch das Wissen:
Wenn etwas passiert, bin ich nicht auf mich allein gestellt.
Genau darin liegt der eigentliche Wert eines Hausnotrufs.
Nicht in dem Knopf selbst – sondern in dem guten Gefühl, dass am anderen Ende ein Mensch erreichbar ist.
Wer sich unverbindlich beraten lassen möchte, erreicht Daniela Kühn, Bereichsleitung Hausnotruf bei Menschenlieb, telefonisch unter 04298 468 05 65 oder per E-Mail an hausnotruf@menschenlieb.com.
Unser Hausnotruf ist im gesamten Landkreis Osterholz, in Lilienthal, Worpswede, Ritterhude, Grasberg, Tarmstedt, Bremen-Borgfeld und vielen weiteren umliegenden Orten verfügbar.
Denn manchmal braucht es nicht weniger Selbstständigkeit, sondern nur ein kleines Stück mehr Sicherheit.